Archiv der Kategorie 'linke'

Feiertage

Befreiung

Heute und morgen wird gefeiert. Ich habe bei der Suche nach thematisch dazu passenden Liedern ein crazy Video gefunden. Ohje, was für ein nerviger Verschwörungstheoretiker. Nein nein, das ist nicht der Kommunismus.

Hamburg –“Wir sind hier nicht im Kindergarten“-City

In Hamburg ist mal wieder einiges los. Erlebnisorientierte Jugendliche hauen das Schanzenviertel kaputt, das inzwischen nun wirklich nicht mehr „unser“ Viertel ist. Für mich waren die ganzen Feier-Menschen, die die Fußwege verstopfen zumindest krass anstrengend, als ich das letzte mal dort war. Kaputtgegangen sind zwei Banken, ein Drogeriemarkt, ein Handyladen, ein Plattenladen, die Schaukästen des linken Kinos 3001, diverse Fahrräder und eine Apotheke. Und bevor ihr euch jetzt beschwert, dass eurem netten Plattenladen die Scheiben eingeschmissen werden, solltet ihr euch Gedanken machen ob der nicht vielleicht auch ein kapitalistischer Betrieb ist und ob ihr euch nicht gestern noch darüber aufgeregt habt, dass immer nur die Banken gesmasht werden. Dialektik des Krawalls? Vor den abendlichen Wasser- und Feuerspielen jedenfalls fand eine Revolutionäre 1. Mai-Demo in Hamburg statt, von der die SoL behauptet, dass sie von einem breiten Bündnis getragen würde:

Mai-Bündnis 2010 breiter denn je
2010 wird die revolutionäre Mai-Demo vom breitesten Bündnis ihrer 8-jährigen Geschichte unterstützt, übrigens auch von Einzelpersonen und einer Gruppe aus der Roten Flora. Es freut uns, dass wir dazu beigetragen konnten, dem Berliner Beispiel folgend ein breites linkes, diesmal auch internationales Spektrum zur antikapitalistischen Mai-Demonstration zusammen zu bringen.
Unterstützende Gruppen: ADGH, AG Kritische Linke (bei Die Linke, Hamburg), AGIF, Antifakonzert, ATIK, Autonome Antifa Süd-Holstein, Autonome Lurup, GAM, KARAWANE-Café, K&D, Liga gegen den Imperialismus, Rote Szene Hamburg, S.E.N.G, SDAJ Hamburg, SoL (Sozialistische Linke), Sozialforum Eimsbüttel, Verschiedene Einzelpersonen aus der Roten Flora. [Stand 23.04.10]
* Soviel den gezielten Falschmeldungen des „Flora-Plenums“ und seiner Verbreitung in der Springerpresse .

Dazu bemerkt ein Genosse aus Hamburg sehr richtig:

ADGH – deren Theorie u.a.: Lenin, Mao, Stalin
AG Kritische Linke (bei Die Linke, Hamburg) – antiimp-spinner in ner sozialdemokratischen Partei
AGIF – Teil der Marksist Leninist Komünist Parti, Mit Stalin im Banner
ATIK – Marxisten-Leninisten
K&D – Kritik und Diskussion… M/L oder Gegenstandpunkt oder sowas
Liga gegen den Imperialismus – Name sagt wohl genug
Rote Szene Hamburg – Leninisten-Nachwuchs
SDAJ Hamburg – marxistisch-leninistisch und DKP nah
SoL – sind ja bekannt
Sozialforum Eimsbüttel – Traditions(also Antiimp)-Linke
Verschiedene Einzelpersonen aus der Roten Flora – kann ja jede_r sein

Mit dieser Aufzählung will das revolutionäre 1. Mai Bündnis also widerlegen, dass es ein antizionistischer, reaktionärer Haufen ist?
Da bleibt nur zu sagen: lol

Traurig ist dann eher, dass anscheinend niemand sonst aus Hamburg dem etwas entgegenzusetzen hat. Auch die Stellungnahme der Roten Flora zu dem Antiimp-Quatsch erscheint als Rückzug in das eigene Refugium und klingt eher ein bisschen wie „alles was ich will ist, nichts mit euch zu tun haben“ denn als deutliche politische Absage an Antisemitismus und ML-Spinner. Ganz groß ist dafür die Antwort auf das peinliche 16 Bars Video aus Hamburg. Allerdings distanzieren die Macher_innen sich eindeutig vom oben skizzierten politischen Konflikt und wollen ihr Video nur als Persiflage der Macker-Performance sehen.

Update: Krass, ich habe gerade erst das original-Mobilisierungsvideo des Bündnisses gesehen (zu sehen auf der Bündniswebsite). Die Musik des Videos ist original dieselbe wie bei einem Nazi-Mobi-Video. Kann mir mal bitte jemand sagen, was das für ne Musik ist bzw. an welches Video mich das erinnert?

Noch mehr Oldschool-Atz_innen

Normalerweise finde ich diese „ein_e Vermummte_r liest einen Aufruf vor“-Videos ja nicht so spannend, aber mit der Computerstimme macht das richtig Spaß. Noch schlimmere Oldschool-Prolls als in Berlin gibt es außerdem in Hamburg. Die kommen noch dazu aus dem Sol-Umfeld. Uaah. Aber seht selbst:

Update: Tja, leider wurde die Videobotschaft mit dem Demo-Aufruf gelöscht und ich habe sie auch nicht nochmal im Internet gefunden. Schade. Hätte sie gerne behalten. Auch als Andenken an gestern. War ein netter Tag.

Legogaming 2.0

verrückte Christen
Achja, und wenn ihr sonst nichts zu tun habt, könnt ihr auch für einen friedlichen 1. Mai beten. Die Antifa Berlin hat sich auch schonmal vorsorglich in den dafür eingerichteten Doodle eingetragen. Damit ihr nicht für das Falsche betet, hier nochmal die aktuellen Inhalte der Gebete:

Gott ehren:

* Wir ehren Gott als den Friedefürsten
* Wir ehren Gottes Geist, der Frieden bringt
* Wir ehren Gottes Ordnungen (Psalm 119)

Wir beten für …

* einen Rückgang der Gewalt
* einen friedlichen 30. April (Walpurgisnacht) und 1. Mai
* gelingende Planung des Myfests, das der Gewalt entgegen wirken will
* den Gottesdienst am 1. Mai: gute Kommunikation mit den Verantwortlichen, klare Verkündigung
* das Gebet am 1. Mai im Kiez – dass viele Menschen sich daran beteiligen
* Schutz für diejenigen, die sich um den Frieden vor Ort bemühen
* die Polizei: Weisheit, Klarheit, gute Kommunikation, Schutz, Verhältnismäßigkeit, Deeskalation
* frustrierte Jugendliche – dass Gott sie vor Gewalttaten zurückhält und sie seinen Frieden erleben
* Segen auf allen Initiativen, die sich bemühen, Migranten und deutschen Jugendlichen eine gesellschaftliche Perspektive zu geben
* Initiativen in Kreuzberg, die Menschen das Evangelium und die Liebe Gottes nahe bringen: Segen, Bekehrungen, Stärkung und Gründung von Gemeinden

Also wenn Religion immer noch das Opium des Volkes ist, dann möchte ich wirklich kein Junkie sein. Obwohl, für die Weisheit der Polizei zu beten, entbehrt nicht eines gewissen Humors. Und drei Gebetspunkte gleich mal für sich selbst zu reservieren, ist auch ganz plietsch. Also meldet euch an, es sind bestimmt noch Gebetsplätze frei (auch ganz nah am Geschehen!).

Oldschool Atz_innen against Nazis

Ankündigungen mit schönen Plakaten

Auch wenn ich mich in Ästhetiktheorie nicht so auskenne, würde ich die folgenden Plakate einfach mal als „schön“ bezeichnen. Und außerdem sind noch ankündigungswerte Veranstaltungen drauf. Ich lasse sie einfach mal für sich selbst sprechen.

Merke: auch Schuhe, Jacken, Tomaten, Zirkel, Plastikstühle, Schraubstöcke und Krähenfüße können beim Verhindern eines Naziaufmarsches kaputtgehen! Also Vorsicht am ersten Mai!

Trauernde Nazis, Polizei und die Antifa

…klingt irgendwie nach Dresden? Ha, reingefallen. Zur Zeit scheint es gar nicht möglich zu sein, an einen Naziaufmarsch zu denken ohne Dresden zu denken. Mit unnötiger Selbstbeweihräucherung sollte mensch aber gerade deswegen vorsichtig sein, weil sich nicht überall ohne Weiteres das selbe Spiel „die Antifa startet eine Massenmobilisierung, die Massen kommen und die Nazis gehen keinen Meter“ wiederholen lässt. Am 27. März wollen die Nazis nun wie jedes Jahr in einem Trauermarsch durch Lübeck laufen. Die Gruppe Avanti, Teil des no pasaran-Bündnisses, versucht bildsprachlich (wenn auch eher dilettantisch) an ihren Erfolg in Dresden anzuknüpfen:

Auch wenn der Bezug auf die schöne historische Altstadt in Dresden schon falsch war, scheint sich diese in no pasaran Kreisen als Mobilisierungssymbol so langsam durchzusetzen. Und das obwohl es in Lübeck noch nicht einmal das unheimliche Bürgergedenken in dem Ausmaße wie in Dresden gibt. Man könnte sich die Frage stellen, ob ein solches nicht eher noch durch die antifaschistischen Bürgerbündnis-Aktivitäten angeregt wird, wenn eine große Anzahl Menschen an den zahlreichen mit dem Bündnis verknüpften Andachten teilnimmt. Uah.
Auch die autonome Antifa ist in Bezug auf Lübeck nicht sonderlich kreativ. Begreift sie doch auf ihren Flyern die Polizei zunächst als das weitaus größere Problem, um dann auf der Rückseite auf den stattfindenden und zu verhindernden Naziaufmarsch hinzuweisen:

Auch wenn es durchaus sympathisch erscheint, dass der Staatskritik ein größerer Platz als der Opferstilisierung der Nazis eingeräumt wird, gerät diese mit einem Aufruf zum „Mut zur Lücke“ doch recht kurz. Interessant ist, auch dass die autonomen Antifas (vermutlich dank missverständlicher Formulierung) gar nicht an den Erfolg in Dresden anknüpfen wollen:

Wir sagen – jetzt reicht’s! Lübeck wird kein zweites Dresden werden!

Auch sonst sollte man meinen, dass Antifas anderen Antifas mehr zu sagen hätten als die wenigen Sätze des Aufrufs, und dass die anderen Antifas auch mehr Text gelesen hätten, wäre er denn geschrieben worden. Und sei es nur ein bisschen mehr Information zum Hintergrund der mobilisierenden Neonazis. Nunja. Am besten gefällt mir dann immernoch die Pacman-Symbolik der Gruppe Basta! Linke Jugend Lübeck.

And the Molotov-Cocktail goes to…

Über das beste politische Plakat kann jetzt abgestimmt werden. Irgendwie finde ich allerdings die Partyplakate von „love techno hate germany“, auch wenn sie sich gegen Deutschland richten, nicht so besonders politisch. Naja. Und wie verhält sich eigentlich das Plakat daneben dazu? Ob es sich denkt, dass es beim Deutschland hassen immernoch um Deutschland geht, und dass Deutschland bekanntlich kein Grund zum Feiern ist?

null

Dresden und die Folgen

Eine Woche nach Dresden gibt es einiges an Diskussionen zu dem verhinderten Nazi-Aufmarsch. Nicht alle wollen sich in den Hype um die erfolgreichen no pasarán-Blockaden einreihen. Kritik übte zum Beispiel die Antifa Freiberg mit ihrem Text „Und alle gegen Nazis!“, in dem sie die Bedeutsamkeit von Nazi-Großaufmärschen für die Nazi-Szene bezweifeln:

Der Trauermarsch stößt also auf große Ablehnung, ist schlecht für das Image der Stadt und wird deswegen von Politik und Presse bekämpft. Er ist insofern irrelevant, als dass er seine Symbolwirkung für die Naziszene wohl auch trotz Blockaden erfüllt und die dahinter stehende Ideologie die selbe bleibt, unabhängig davon, ob die Nazis ein paar Kilometer laufen, oder ein paar Stunden frieren.

Auch wenn die anschließende Kritik am Dresdner Opfermythos und der fehlenden inhaltlichen Auseinandersetzung vieler Antifa-Gruppen damit durchaus seine Berechtigung hat, läuft der Text hier doch um einiges an der Realität vorbei. Erstens stößt der Trauermarsch erst seit diesem Jahr auf eine spürbare Ablehnung durch Dresdner Politiker_innen, und das auch eher gezwungenermaßen, als sich eine so große Mobilisierung von Antifa-Seite abzeichnete. Zweitens zeigt das Rumgeheule der Nazis im Internet deutlich, welche symbolische Machtdemonstration ihnen da am 13. Februar flöten gegangen ist. Und es ist ihnen ganz und gar nicht egal, dass sie ein paar Stunden rumstehen und frieren mussten und schon bei der Anreise einige Schwierigkeiten hatten. Auch der (durchaus richtige) Verweis auf die Wichtigkeit von antifaschistischem Engagement auf dem platten Land

Notwendig wäre außerdem eine konsequente antifaschistische Intervention im ländlichen Raum, die vor allem darin besteht, Nazis dort entgegenzutreten, wo sie Jugendklubs und peer groups bestimmen und ihren Nachwuchs rekrutieren. […] In Dresden treffen sich tausende Nazis nur einmal im Jahr, in ihren Herkunftsregionen wirken sie aber permanent. Das ist die konkrete Gefahr, die von Nazis heute ausgeht und dagegen nützt Symbolpolitik, wie sie in Dresden zelebriert wurde, nichts; im Gegenteil, sie vernebelt den Blick.

ist wenig stichhaltig, wenn verkannt wird, dass gerade in solchen Nazigroßevents eine bedeutende Integrationsfunktion für die Nazi-Szene besteht. Dort lernen angehende Dorfnazi-Kader überregional tätige, langjährig aktive Neonazi-Größen kennen, jugendliche Subkultur- und Sauf-Nazis verstehen bei diesen Events erst so richtig, was es bedeutet, Politik zu machen, und alle gemeinsam schaffen sich eine Neonazi-Einheitsfront von Autonomen Nationalisten über Freie Kameradschaften und NPD bis zur Neuen Rechten. Deutlich wird diese integrative Kraft des Großaufmarsches auch an den internen Streitigkeiten, die auf Altermedia ausgetragen werden: Worch fordert eine Neuauflage des Sternmarsches (der schon 2006 in Leipzig wenig erfolgreich war) und Autonome Nationalisten empfehlen die notfalls gewaltsame Durchsetzung ihres Aufmarsches. Unterhaltsam ist es außerdem, wenn „Freie Kräfte“ aus Norddeutschland über die missglückte Anreise klagen und wenn sich die alten Kiez-Nazis Thorsten de Vries und Volker Fuchs auf Altermedia gegenseitig bedrohen und „Friese Hamburg“ über seine (ehemaligen?) Kameraden ordentlich auspackt (verlinken möchte ich das hier nicht, aber guckt es euch an, es lohnt sich!).

Auch am rechten Rand der Mitte der Gesellschaft gibt es einige recht eigenwillige Positionen zum 13. Februar in Dresden: Der „Politologe“ Eckhard Jesse bedauert die Verhinderung des Naziaufmarsches als „eine Niederlage für den Rechtsstaat“. Die Deutsche Polizeigewerkschaft Sachsen veröffentlicht eine Pressemitteilung, die sich anhört, als sei sie von Nazis geschrieben. Der Endstation-Rechts Betreiber Mathias Brodkorb, der sich immermehr selbst der Neuen Rechten annähert, fordert mit Kubitschek einen nationalen Gedenktag für die „deutschen Kriegs- und Gewaltopfer“ und bedauert die Diskreditierung des Dresdner Gedenkens durch den Naziaufmarsch der JLO. Gruselig, diese Mitte der Gesellschaft.

Macht der Gewalt oder Gewalt der Macht?

Da die (reichlich zusammengestückelte) Studie der FU zur Gewalt am 1. Mai nun endlich erschienen ist, möchte ich diese mit einem von mir geschrieben Essay kommentieren. Inwieweit die Befürchtungen im Vorfeld, dass mithilfe der Studie die Kriminalisierung der linken Szene vorangetrieben werden soll, eintreffen, lässt sich noch nicht ganz abschätzen. Abgesehen davon, dass die Macher_innen der Studie offensichtlich nicht wissen, was ein Weblog ist (oder wie lässt sich sonst erklären, daIss Indymedia als Quelle für die „Inhaltsanalyse von Weblogs“ herangezigen wird?) ist die Studie auch sonst inhaltlich sehr dünn. Eventuell kann ich das inhaltliche Dunkelfeld etwas erhellen. Der Essay entstand im Rahmen der sinnlosen Teilnahmeleistungen des Bachelor-Studiums und ich würde ihn, wenn ich ihn neuschreiben würde, vermutlich ganz anders konzipieren. Es werden darin jedoch einige Aspekte angesprochen, die in der Studie weitestgehend ausgeblendet bleiben – die Sinnhaftigkeit der staatlichen Gewalt zum Beispiel.

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