Archiv der Kategorie 'extrem?'

Modelltheorie

Die Extremismustheorie hat ja viele von diesen schönen kleinen übersichtlichen Modellen. Mal hufeisen- und mal kreisförmig oder auch in die Länge gezogen. Aber wie bitteschön Herr Jesse und Herr Backes, ja wie passt denn da eigentlich der Islamismus als Extremismus noch mit hinein? Ich hätte da noch ein paar Formanregungen:

Tetris

Extremismus der Mitte – Ideologie und Agitation

Oh Mann, Andi versteht nur Bahnhof, aber alle anderen scheinen begeistert zu sein. Die Frau, die hier auf die Leute einredet, ist eine Extremistin der Mitte. Aber warum erzählt sie so ein komisches Zeug? Sie ist davon überzeugt – wie alle Extremist_innen –, dass ihre Ideologie als einzige die Welt, in der wir leben, richtig erklärt und dass sie deshalb ganz genau weiß, was zu tun ist. Genau wie andere Demokrat_innen will sie das jetzige wirtschaftliche und das politische System nicht verbessern, sondern erhalten. Sie behauptet, dass der Staat – und damit auch die Polizei, Ämter, Gerichte und die Bundeswehr – nur den Interessen der Bevölkerung dienen. Der Kapitalismus wird für jede Art von Verbesserung der Verhältnisse herangezogen. Und noch schlimmer: den Linken wird pauschal vorgeworfen, extremistisch zu sein. Dass diese Frau ihre Meinung so frei äußern kann, weil sie Familienministerin ist, sagt sie ihrem Publikum natürlich nicht.

… das kommt euch irgendwie bekannt vor? Könnte sein, denn der Text ist zum Großteil vom Verfassungsschutz NRW aus dem Andi-Comic Heft 3 geklaut. Dass die Ideologiekritik des Verfassungsschutzes nicht sehr stichhaltig ist, wird damit recht schnell deutlich….

Die extreme Mitte

Extremismustheorien sind mit der neuen Familienministerin Kristina Köhler wieder „extrem“ hip geworden, qualifizierte sich die Polit-Newcomerin für ihren neuen Job doch hauptsächlich darüber, dass sie in der CDU-Bundestagsfraktion Sprecherin für „Islam, Integration und Extremismus“ war. Nunja, vermutlich hat sie in ihrer neuen Rolle als Ministerin unter anderem auch mit integrierten muslimischen Extremist_innen zu tun. Dass sie allerdings auch in der eigenen Partei möglicherweise mit Extremist_innen in Kontakt kömmen könnte, ist ihr bisher wahrscheinlich noch nicht bekannt. So war die CDU-Politikerin Vera Lengsfeld (bisher bekannt durch nicht gerade ästhetische Wahlplakate im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg) auf einer Veranstaltung der „Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Stalinismus e.V.“ anzutreffen. Dort versammelte sich eine illustre Runde von Geschichtsrevisionist_innen, Anhänger_innen der neurechten Zeitung Junge Freiheit und erkennbaren Neonazis in Thor Steinar-Outfit zur allgemeinen Selbstversicherung, dass Hitler „gar keine andere Wahl [hatte] als den Krieg auszuweiten, da ein russischer Angriff unmittelbar bevorstand.“, berichtet das Internetportal redok. Nach dem gängigen Extremismusschema dürfte – neben den offensichtlichen Neonazis – zumindest die Junge Freiheit als extremistisch gelten, wird sie doch weiterhin von verschiedenen Verfassungsschutzämtern beobachtet. Der Vorteil der Extremismustheorie ist jedoch, dass Inhalte für die Einordnung keine Rolle spielen, weshalb auch die geschichtsrevisionistische Präventionskriegsthese, die sich wissenschaftlich nicht belegen lässt, von CDU-Politiker_innen verhandelt werden kann. So finden sich vermeintlich extreme Positionen eben auch in der „extremen Mitte“. Weshalb die Verwendung des Begriffs „Extremismus“ gerade für Linke wenig sinnvoll ist, macht schon seit längerem die Leipziger Initiative gegen jeden Extremismusbegriff deutlich. Spannend wird es trotzdem, wie die CDU diese „extrem“-Positionen in ihr Politik- und Extremismusverständnis integrieren wird…

Update: Der Infoladen Daneben hat sich in einem längeren Feature schon einmal mit Vera Lengsfeld und ihrer Nähe zur Neuen Rechten befasst. Daraus geht hervor, dass Vera Lengsfeld selbst Autorin der Jungen Freiheit ist/war. Wer möchte, kann dies auf der Autor_innenseite der Jungen Freiheit selbst nachprüfen, verlinkt wird diese hier jedoch nicht.
Außerdem noch ein Veranstaltungshinweis: am 17.2. findet im Festsaal Kreuzberg eine Diskussionsveranstaltung mit dem Titel „Total Extrem“ statt, auf der sich mit dem Extremismus-Fetisch der neuen Bundesregierung auseinandergesetzt werden soll.