Kulturindustrielles Spektakel

Samstag, 16h, Alexanderplatz. Einkaufende Menschen, von weitem die Geräusche einer Demonstration. Demonstration? Oder doch nur kreischende Teenies? Nein, denn in der Kulturindustrie ist es durchaus von Bedeutung, für den Verlierer einer Superstar-der-nie-ein-Superstar-sein-wird-Auswahl-Show zu demonstrieren. Hier wird die Show selbst zur Politik und nicht mehr, wie so häufig, die Politik zur Show. Mitgebrachte Plakate mit der Aufschrift „Menowin – Sieger der Herzen“ verkündeten die politische Botschaft der Demonstration. Wenig innovativ waren die Teilnehmer_innen des selbstinszenierten Spektakels allerdings in der Auswahl ihrer Sprechchöre: Ein monotones „Menowin, Menowin“, nur unterbrochen durch den Gesang zum mitgebrachten Lauti („What is love? Baby don‘t hurt me, don‘t hurt me…“) aus 100 jugendlichen Kehlen schallte über den Platz. Vergebens gelauscht wurde nach Demosprüchen wie „Menowin war wunderbar- Mehrzad ist kein Superstar“ oder „Für die Musik für das Leben – Mehrzad aus dem Äther fegen“. Ebenso vergebens war die Hoffnung auf eine Erweiterung des Spektakels um sich entgegenstellende Mehrzad Fans, die aufgebracht den wahren Wahlsieger gegen den wütenden Mob verteidigen würden. Die Teilnehmer_innen der Pro-Menowin-Demo verzichteten außerdem auf das Tragen von Buttons mit der berechtigten Frage „Where is my vote, Dieter Bohlen?“. Sollte sich die Stimmung allerdings weiter aufheizen, könnte sich die Lage in den nächsten Tagen verschärfen.