Trauernde Nazis, Polizei und die Antifa

…klingt irgendwie nach Dresden? Ha, reingefallen. Zur Zeit scheint es gar nicht möglich zu sein, an einen Naziaufmarsch zu denken ohne Dresden zu denken. Mit unnötiger Selbstbeweihräucherung sollte mensch aber gerade deswegen vorsichtig sein, weil sich nicht überall ohne Weiteres das selbe Spiel „die Antifa startet eine Massenmobilisierung, die Massen kommen und die Nazis gehen keinen Meter“ wiederholen lässt. Am 27. März wollen die Nazis nun wie jedes Jahr in einem Trauermarsch durch Lübeck laufen. Die Gruppe Avanti, Teil des no pasaran-Bündnisses, versucht bildsprachlich (wenn auch eher dilettantisch) an ihren Erfolg in Dresden anzuknüpfen:

Auch wenn der Bezug auf die schöne historische Altstadt in Dresden schon falsch war, scheint sich diese in no pasaran Kreisen als Mobilisierungssymbol so langsam durchzusetzen. Und das obwohl es in Lübeck noch nicht einmal das unheimliche Bürgergedenken in dem Ausmaße wie in Dresden gibt. Man könnte sich die Frage stellen, ob ein solches nicht eher noch durch die antifaschistischen Bürgerbündnis-Aktivitäten angeregt wird, wenn eine große Anzahl Menschen an den zahlreichen mit dem Bündnis verknüpften Andachten teilnimmt. Uah.
Auch die autonome Antifa ist in Bezug auf Lübeck nicht sonderlich kreativ. Begreift sie doch auf ihren Flyern die Polizei zunächst als das weitaus größere Problem, um dann auf der Rückseite auf den stattfindenden und zu verhindernden Naziaufmarsch hinzuweisen:

Auch wenn es durchaus sympathisch erscheint, dass der Staatskritik ein größerer Platz als der Opferstilisierung der Nazis eingeräumt wird, gerät diese mit einem Aufruf zum „Mut zur Lücke“ doch recht kurz. Interessant ist, auch dass die autonomen Antifas (vermutlich dank missverständlicher Formulierung) gar nicht an den Erfolg in Dresden anknüpfen wollen:

Wir sagen – jetzt reicht’s! Lübeck wird kein zweites Dresden werden!

Auch sonst sollte man meinen, dass Antifas anderen Antifas mehr zu sagen hätten als die wenigen Sätze des Aufrufs, und dass die anderen Antifas auch mehr Text gelesen hätten, wäre er denn geschrieben worden. Und sei es nur ein bisschen mehr Information zum Hintergrund der mobilisierenden Neonazis. Nunja. Am besten gefällt mir dann immernoch die Pacman-Symbolik der Gruppe Basta! Linke Jugend Lübeck.


1 Antwort auf „Trauernde Nazis, Polizei und die Antifa“


  1. 1 John 15. März 2010 um 16:47 Uhr

    „Wir sagen – jetzt reicht’s! Lübeck wird kein zweites Dresden werden!“

    tja, allerdings wurde dieser aufruf bereits vor dem diesjährigen 13.02. veröffentlicht, weshalb der kontext der formulierung doch ein anderer ist. oder auch nicht, wenn er als kritik an einer ‚massenmobilisierung mit dem bürgerlichen lager um jeden preis‘ gelesen wird… tatsächlich blöd ist allerdings, dass es bereits seit längerer zeit einen längeren aufruf gibt. warum dieser auf der seite nicht zu finden ist, bleibt wohl ein ungelöstes rätsel

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