Archiv für Februar 2010

My little Horror

Eigentlich mag ich My little Pony. Aber das hier? Ist vielleicht doch ganz gut, dass das Leben kein Ponyhof ist…

Modelltheorie

Die Extremismustheorie hat ja viele von diesen schönen kleinen übersichtlichen Modellen. Mal hufeisen- und mal kreisförmig oder auch in die Länge gezogen. Aber wie bitteschön Herr Jesse und Herr Backes, ja wie passt denn da eigentlich der Islamismus als Extremismus noch mit hinein? Ich hätte da noch ein paar Formanregungen:

Tetris

Tetris

…habe ich schon immer gerne gespielt. Aber der Player hier scheints nicht so drauf zu haben:

And the Molotov-Cocktail goes to…

Über das beste politische Plakat kann jetzt abgestimmt werden. Irgendwie finde ich allerdings die Partyplakate von „love techno hate germany“, auch wenn sie sich gegen Deutschland richten, nicht so besonders politisch. Naja. Und wie verhält sich eigentlich das Plakat daneben dazu? Ob es sich denkt, dass es beim Deutschland hassen immernoch um Deutschland geht, und dass Deutschland bekanntlich kein Grund zum Feiern ist?

null

Dresden und die Folgen

Eine Woche nach Dresden gibt es einiges an Diskussionen zu dem verhinderten Nazi-Aufmarsch. Nicht alle wollen sich in den Hype um die erfolgreichen no pasarán-Blockaden einreihen. Kritik übte zum Beispiel die Antifa Freiberg mit ihrem Text „Und alle gegen Nazis!“, in dem sie die Bedeutsamkeit von Nazi-Großaufmärschen für die Nazi-Szene bezweifeln:

Der Trauermarsch stößt also auf große Ablehnung, ist schlecht für das Image der Stadt und wird deswegen von Politik und Presse bekämpft. Er ist insofern irrelevant, als dass er seine Symbolwirkung für die Naziszene wohl auch trotz Blockaden erfüllt und die dahinter stehende Ideologie die selbe bleibt, unabhängig davon, ob die Nazis ein paar Kilometer laufen, oder ein paar Stunden frieren.

Auch wenn die anschließende Kritik am Dresdner Opfermythos und der fehlenden inhaltlichen Auseinandersetzung vieler Antifa-Gruppen damit durchaus seine Berechtigung hat, läuft der Text hier doch um einiges an der Realität vorbei. Erstens stößt der Trauermarsch erst seit diesem Jahr auf eine spürbare Ablehnung durch Dresdner Politiker_innen, und das auch eher gezwungenermaßen, als sich eine so große Mobilisierung von Antifa-Seite abzeichnete. Zweitens zeigt das Rumgeheule der Nazis im Internet deutlich, welche symbolische Machtdemonstration ihnen da am 13. Februar flöten gegangen ist. Und es ist ihnen ganz und gar nicht egal, dass sie ein paar Stunden rumstehen und frieren mussten und schon bei der Anreise einige Schwierigkeiten hatten. Auch der (durchaus richtige) Verweis auf die Wichtigkeit von antifaschistischem Engagement auf dem platten Land

Notwendig wäre außerdem eine konsequente antifaschistische Intervention im ländlichen Raum, die vor allem darin besteht, Nazis dort entgegenzutreten, wo sie Jugendklubs und peer groups bestimmen und ihren Nachwuchs rekrutieren. […] In Dresden treffen sich tausende Nazis nur einmal im Jahr, in ihren Herkunftsregionen wirken sie aber permanent. Das ist die konkrete Gefahr, die von Nazis heute ausgeht und dagegen nützt Symbolpolitik, wie sie in Dresden zelebriert wurde, nichts; im Gegenteil, sie vernebelt den Blick.

ist wenig stichhaltig, wenn verkannt wird, dass gerade in solchen Nazigroßevents eine bedeutende Integrationsfunktion für die Nazi-Szene besteht. Dort lernen angehende Dorfnazi-Kader überregional tätige, langjährig aktive Neonazi-Größen kennen, jugendliche Subkultur- und Sauf-Nazis verstehen bei diesen Events erst so richtig, was es bedeutet, Politik zu machen, und alle gemeinsam schaffen sich eine Neonazi-Einheitsfront von Autonomen Nationalisten über Freie Kameradschaften und NPD bis zur Neuen Rechten. Deutlich wird diese integrative Kraft des Großaufmarsches auch an den internen Streitigkeiten, die auf Altermedia ausgetragen werden: Worch fordert eine Neuauflage des Sternmarsches (der schon 2006 in Leipzig wenig erfolgreich war) und Autonome Nationalisten empfehlen die notfalls gewaltsame Durchsetzung ihres Aufmarsches. Unterhaltsam ist es außerdem, wenn „Freie Kräfte“ aus Norddeutschland über die missglückte Anreise klagen und wenn sich die alten Kiez-Nazis Thorsten de Vries und Volker Fuchs auf Altermedia gegenseitig bedrohen und „Friese Hamburg“ über seine (ehemaligen?) Kameraden ordentlich auspackt (verlinken möchte ich das hier nicht, aber guckt es euch an, es lohnt sich!).

Auch am rechten Rand der Mitte der Gesellschaft gibt es einige recht eigenwillige Positionen zum 13. Februar in Dresden: Der „Politologe“ Eckhard Jesse bedauert die Verhinderung des Naziaufmarsches als „eine Niederlage für den Rechtsstaat“. Die Deutsche Polizeigewerkschaft Sachsen veröffentlicht eine Pressemitteilung, die sich anhört, als sei sie von Nazis geschrieben. Der Endstation-Rechts Betreiber Mathias Brodkorb, der sich immermehr selbst der Neuen Rechten annähert, fordert mit Kubitschek einen nationalen Gedenktag für die „deutschen Kriegs- und Gewaltopfer“ und bedauert die Diskreditierung des Dresdner Gedenkens durch den Naziaufmarsch der JLO. Gruselig, diese Mitte der Gesellschaft.

Macht der Gewalt oder Gewalt der Macht?

Da die (reichlich zusammengestückelte) Studie der FU zur Gewalt am 1. Mai nun endlich erschienen ist, möchte ich diese mit einem von mir geschrieben Essay kommentieren. Inwieweit die Befürchtungen im Vorfeld, dass mithilfe der Studie die Kriminalisierung der linken Szene vorangetrieben werden soll, eintreffen, lässt sich noch nicht ganz abschätzen. Abgesehen davon, dass die Macher_innen der Studie offensichtlich nicht wissen, was ein Weblog ist (oder wie lässt sich sonst erklären, daIss Indymedia als Quelle für die „Inhaltsanalyse von Weblogs“ herangezigen wird?) ist die Studie auch sonst inhaltlich sehr dünn. Eventuell kann ich das inhaltliche Dunkelfeld etwas erhellen. Der Essay entstand im Rahmen der sinnlosen Teilnahmeleistungen des Bachelor-Studiums und ich würde ihn, wenn ich ihn neuschreiben würde, vermutlich ganz anders konzipieren. Es werden darin jedoch einige Aspekte angesprochen, die in der Studie weitestgehend ausgeblendet bleiben – die Sinnhaftigkeit der staatlichen Gewalt zum Beispiel.

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Dresden du Opfer.

Europas jährlich größter Naziaufmarsch wurde verhindert, das bürgerliche Gedenken gestört und die Polizei war komplett überfordert. Nazibusse wurden gesmasht und Naziautos vom Kopf auf Füße gestellt. Insgesamt ein ziemlich guter Tag.
Die bürgerliche Gedenken-Anti-Extremismus-Menschenkette hat zwar leider stattgefunden, zur Verhinderung des Naziaufmarsches aber überhaupt nichts beigetragen, wie es jetzt auch langsam zu den Medienvertreter_innen durchsickert. Zu Beginn hatten diese vor allem über die von der Oberbürgermeisterin inszenierte Menschenkette im Zusammenhang mit der Verhinderung des Naziaufaufmarsches berichtet. Warum die Polizei keinen einzigen der Antifa-Busse kontrollierte, obwohl sie vorher mit der Durchsuchung des red-stuff-Ladens in Berlin und Räumlichkeiten in Dresden die Kriminalisierung des Bündnisses no pasarán versucht und umfangreiche Vorkontrollen angedroht hatte, bleibt ein bisschen rätselhaft. Ein Wermutstropfen bleibt jedenfalls aufgrund des Naziangriffs auf das AZ Conni und wegen der verletzten Menschen auf unserer Seite. Immerhin konnten 2000 Nazis eine relativ ungestörte Spontandemonstration durch das linke Hechtviertel durchführen und währenddessen und im Umkreis Menschen angreifen. Gute Besserung an die Genoss_innen.
Etwas was nun auch die Polizei gelernt haben sollte: Irgendwann macht es einfach keinen Sinn mehr, einen Naziaufmarsch durchzuprügeln. Und Nazis sind durchaus keine friedlichen Menschen. Und Wasserwerfer sind nicht zum Löschen von Barrikaden geeignet :-)

Cognac äh Kritik ist die wärmste Jacke

Da tut sich ja noch einiges im Vorfeld des Naziaufmarsches in Dresden: Die Polizei meldet sich bei Busunternehmen und macht diesen Angst vor reisenden Antifaschist_innen, K.I.Z. mobilisiert jetzt auch nach Dresden („es ist wichtig dass man jetzt nicht irgendwelchen Nazis irgendwelche Gebiete überlässt wo sie dann frei ihre Party feiern können“ „der Anlass also die Ausrede dafür ist ja dass Dresden am Ende des Krieges hart weggebombt wurde“) und es gibt noch ein paar Leute mehr, die Kritik am Gedenken für eine gute Sache halten. Der Aufruf (ja zu was eigentlich? zur Kritik? zum Stören des Gedenkens?) ist jetzt zwar nicht soo der Hammer, aber der Spruch „Kritik ist die wärmste Jacke“ hat mir dann doch recht gut gefallen. Man darf gespannt sein, was am Samstag so passiert.

Deutschland und so


gefunden bei extra3

Hamburger Unzumutbarkeiten

In Hamburg hat es erneut einen Übergriff auf israelsolidarische Antifas gegeben. Die Schläger aus dem Umfeld der B5 lauerten den Antifas beim Verlassen einer Disco auf, griffen sie an und schlugen sie zu Boden. Die Angreifer waren zuvor der Diskothek verwiesen worden, da sie die Menschen auch dort schon bepöbelt und ins Gesicht geschlagen hatten. Damit setzt sich die üble Hamburger Tradition fort, dass „Linke“ aus dem Umfeld der B5 israelsolidarische Menschen angreifen, israelische Filme verhindern und die Hamburger Antifa dazu weitestgehend schweigt.

Aber das ist nicht alles: überdies findet am 11. Februar im Atlantik Hotel eine „Iran-Konferenz“ mit äußerst kruden Diskussionsteilnehmern (ja, es sind keine Frauen dabei und vermutlich auch keine Trans*menschen) statt. Die illustre Runde besteht unter anderem aus „Seiner Exzellenz“ dem Botschafter der Islamischen Republik Iran, Jürgen Elsässer und Udo Steinbach. Mehr Hintergrundinformationen über die Veranstalter und Teilnehmer gibts bei cosmoproletarian solidarity. Was genau bei dieser Propagandaveranstaltung der Islamischen Republik Iran herauskommen soll (außer Selbstvergewisserung) und wer (außer überzeugten Islamisten, Antisemiten und Querfrontlern) dort noch teilnehmen soll, wird aus der Einladung allerdings nicht ganz deutlich. Die Gegner_innen dieser Veranstaltung protestieren jedenfalls ab 17:00 vor dem Atlantik aus Solidarität mit den freiheitsliebenden Menschen im Iran.