Dresden und der Ort der Geschichte

Dresden. Dresden? Ist das nicht diese Stadt, die völlig unschuldig jedes Jahr wieder von einem Naziaufmarsch heimgesucht wird? Von den Nazis, die sich dann auch noch heimtückisch in einen örtlichen Gedenktag einklinken? Ja, genau.
Solche oder ähnliche Gedanken könnten einem auch dann kommen, wenn man sich die Plakate des diesjährigen Naziaufmarsch-Verhinderungs-Bündnisses „no pasaran“ ansieht. Auch wenn ein Großteil dieser Plakate gestern (leider?) von der Berliner und Dresdner Polizei beschlagnahmt wurde, haben diese dennoch eine gewisse Wirkungsmacht. Die Frauenkirche ist darauf zu sehen, und dazu der Satz „am Ort der Geschichte [den Nazis] entschlossen entgegentreten“. Am Ort der Geschichte? Welcher Geschichte? Wessen Ort?
Die Frauenkirche als „den Ort der Geschichte“ zu deklarieren, passt haargenau zum dem bürgerlichen Gedenken, das eigentlich auch kritisiert werden soll und steht auch dem Aufmarsch der Nazis nicht gerade konträr entgegen. Hier findet seitens eines linksradikalen Bündnisses eine derartige Umdeutung der Geschichte des Zweiten Weltkrieges statt, dass es einem um die linksradikale Szene Angst und Bange werden muss. Wenn selbst diese schon Dresden als einen Ort der Geschichte und nicht als einen Ort, an dem Geschichte gemacht wurde, begreift, mit wem oder gegen wen soll dann noch demonstriert werden?
Es steht völlig außer Frage, dass der größte Naziaufmarsch Europas endlich einmal verhindert gehört. Die Mobilisierung der bürgerlichen Antifaschist_innen wäre allerdings wohl auch mit einem weniger geschichtsumdeuterischen Bild und Motto möglich gewesen. Bleibt die Frage, ob bei einem Neudruck der Plakate nicht nur der deutliche Aufruf zur Blockade entfernt wird, sondern auch der mehr als fragwürdige Aufruf, Dresden und die Frauenkirche endlich als „den Ort der Geschichte“ zu akzeptieren.

no pasaran-Plakat


10 Antworten auf „Dresden und der Ort der Geschichte“


  1. 1 watt, wer bist du denn? 27. Januar 2010 um 10:04 Uhr

    Wie man sich wegen so einer Floskel so aufplustern kann, unbegreiflich.

    Dabei gilt der Bau längst nicht allen Opfern als Inbegriff für die Erinnerung an die zivilen Toten des Krieges, sagt Hildegart Stellmacher von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Bevor 1938 die Synagoge niedergebrannt wurde, habe von der Frauenkirche bereits die Hakenkreuz-Fahne geweht, betont sie. Und auch in den Jahren seither wandelte sich die symbolische Bedeutung der Frauenkirche mehrfach, fügt Stellmacher hinzu: »Die Erinnerung eint eben nicht.«
    http://www.neues-deutschland.de/artikel/163213.lex-13-februar-verstoesst-gegen-sich-selbst.html

    got it now, stupid?!

  2. 2 what 27. Januar 2010 um 17:23 Uhr

    ja… und? diese „opfer“ und diese bedeutung waren ja auch bestimmt gemeint mit dem „ort der geschichte“ oder?

  3. 3 MC Ferris MC 26. April 2010 um 20:47 Uhr

    Um welche Geschichte ganz genau geht es denn bitte?

  4. 4 what 27. April 2010 um 22:20 Uhr

    frage ich mich auch?

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