Archiv für Januar 2010

Autonome Polizisten

Läuft die Polizei jetzt auch in Ketten?

Bildungsdemo Frankfurt
Bildungsdemo in Frankfurt am 30.1.2010

Dass die Polizei immer noch gegen uns ist, hat sie am Freitag in Göttingen bewiesen: Bei einer Demonstration gegen die Durchsuchung eines linken Wohnprojektes verprügelte sie die Demonstrationsteilnehmer_innen und verletzte so fast 20 Leute. Grund für die Durchsuchung war ein Brand in der Teeküche der Ausländerbehörde.

Geschichtsrevisionismus und no pasaran

Da hat sich jemand den Aufruf von no pasaran anscheinend gründlicher durchgelesen als ich: In der aktuellen Jungle World findet sich ein Beitrag von Ivo Bozic, der den Geschichtsrevisionismus in und um Dresden kritisch beleuchtet. Und eben unter anderem auch den Geschichtsrevisionismus des no pasaran-Bündnisses:

Im aktuellen Aufruf von »No Pasarán« ist zu lesen, wie das Bündnis, das vor allem von der Antifaschistischen Linken Berlin (ALB) organisiert wurde, die Argumentation der Nazis »kritisiert«: »Der Angriff auf Dresden sei ein Angriff auf das ›deutsche Volk‹ gewesen und damit gleichzeitig auf das ›wahre Deutschland‹, welches wiederum gleichbedeutend ist mit dem Nationalsozialismus. Im gedachten nationalsozialistischen Kollektiv von damals bis heute werden die Toten für die Neonazis zu ›ihren‹ Toten, sie werden zu Stellvertreterinnen und Stellvertretern des nationalsozialistischen Systems.« Anders formuliert, erklärt die Antifa hier nichts anderes, als dass die Toten von Dresden nicht Teil eines nationalsozialistischen Kollektivs gewesen seien, sondern unschuldige Opfer, die nun von den Nazis vereinnahmt würden. Hier betätigt sich das Anti-Nazi-Bündnis selbst geschichtsrevisionistisch. Nicht nur, weil die Rede von den Deutschen als Opfern weitergeführt wird, sondern auch, weil gerade Dresden die Stadt mit der höchsten Dichte an NSDAP-Mitgliedern überhaupt war, wie Gunnar Schubert in dem Buch »Die kollektive Unschuld« (Konkret-Verlag) dargelegt hat.

Na dann passt es ja auch irgendwie wieder mit den Plakaten und dem Mobi-Video.

Deutschland 2010

Antisemitismus im Schweriner Landtag, Milde Urteile für bordsteinkickende Nazis und ein Nazi-Brandanschlag auf das Haus der Demokratie in Zossen.

Schöne Momente #1

Tocotronic im Übel & Gefährlich

Tocotronic Record-Release Konzert im Übel & Gefährlich, Hamburg

Plakate über Plakate

Da ich weiter unten schon auf die Bedeutung und Wirkmächtigkeit des politischen Mediums „Plakat“ hingewiesen habe, möchte ich auf die Nominierung des besten Plakats 2009 bei politischesplakat.blogsport.de aufmerksam machen. Mir persönlich gefällt ja dieses Plakat hier sowohl von der Ästhetik als auch vom Inhalt her ziemlich gut:

nieder mit der islamischen republik

(Negativ) aufgefallen ist mir allerdings auch das folgenden Plakat:

brot und spiele

Abgesehen davon, dass das Plakat in seiner Farb- und Bildwahl unglaublich hässlich ist, verwendet es eine Zeichnung des Antisemiten und Nationalrevolutionär A. Paul Weber. Die Gruppe selbst äußert sich in einer (recht dürftigen, da sie auf dem Bild nach wie vor keine problematischen Motive erkennen können) Stellungnahme selbst dazu. Mir erscheint es immernoch etwas merkwürdig, dass eine sich irgendwie links-verstehende Gruppe ein solches Bild für ihre Kampagne wählen kann, da die Zeichnung doch sehr stark an andere antisemitische Karikaturen erinnert. Also nochmal der Aufruf: Leute, achtet darauf welche Bilder und Bildsprache ihr für eure Plakate verwendet! Anregungen und gelungene Beispiele findet ihr bei politischesplakat.blogsport.de.

90’s Cover


gefunden im Jüdischen Museum Berlin

Opfer Opfer Opfer sein…

Ein Text für den nachhaltigen Rückbau des Dresdner Opfermythos.

Die Projektion der Projektion

Auch das erste Mobilisierungsvideo gegen den Naziaufmarsch in Dresden des „no pasaran“-Bündnisses spielt mit der vermeintlichen Besonderheit des Ortes „Frauenkirche“. Projiziert werden marschierende Truppen, siegheilende Nazis und der Spruch „Nie wieder Faschismus“ in verschiedenen Sprachen. Allerdings nicht nur an die Frauenkirche, sondern auch auf andere bekannte Dresdner Sehenswürdigkeiten. Deklariert wird das ganze als „Kunstaktion“ und übertitelt mit dem Spruch „Schattenbilder der Vergangenheit“.
Was hier stattfindet, so gut es auch gemeint gewesen sein mag, ist eine Projektion der Projektion. Was nicht zu sehen ist, wird mitprojiziert: Die Bedeutung der Dresdner Sehenswürdigkeiten wird hervorgehoben, und damit die Selbstdarstellung der Stadt als unschuldige Kunst- und Kulturstadt reproduziert. Der Mythos Dresden selbst wird an die Baudenkmäler angestrahlt. Umso erstaunlicher ist es, dass die Gruppe Avanti (Mitglied im no pasaran Bündnis) in ihrem Aufruf schreibt:

Die Inszenierung um den Wiederaufbau der Frauenkirche zum Sinnbild der Mahnung gegen den Krieg und der Völkerverständigung diente zudem auch dem Aufbau eines neuen Images für die Stadt als Touristenmagnet

und am Ende des Textes erkennt:

Vielmehr müssen wir unsere Aktivitäten am 13. Februar als Teil einer längerfristigen Auseinandersetzung begreifen, in der wir einerseits den Naziaufmarsch selbst und andererseits den Dresdner Mythos sowie den gesamtdeutschen Opfermythos angreifen.

Mit solchen Plakaten und einem solchen Mobilisierungsvideo dürfte das Aufbrechen des Opfermythos Dresden allerdings nur schwerlich möglich sein. Hier noch ein Link zu dem Aufruf von venceremos, der das Problem des Umgangs der radikalen Linken mit dem Opfermythos ebenfalls thematisiert.

Anxious ghosts

pacman

Dresden und der Ort der Geschichte

Dresden. Dresden? Ist das nicht diese Stadt, die völlig unschuldig jedes Jahr wieder von einem Naziaufmarsch heimgesucht wird? Von den Nazis, die sich dann auch noch heimtückisch in einen örtlichen Gedenktag einklinken? Ja, genau.
Solche oder ähnliche Gedanken könnten einem auch dann kommen, wenn man sich die Plakate des diesjährigen Naziaufmarsch-Verhinderungs-Bündnisses „no pasaran“ ansieht. Auch wenn ein Großteil dieser Plakate gestern (leider?) von der Berliner und Dresdner Polizei beschlagnahmt wurde, haben diese dennoch eine gewisse Wirkungsmacht. Die Frauenkirche ist darauf zu sehen, und dazu der Satz „am Ort der Geschichte [den Nazis] entschlossen entgegentreten“. Am Ort der Geschichte? Welcher Geschichte? Wessen Ort?
Die Frauenkirche als „den Ort der Geschichte“ zu deklarieren, passt haargenau zum dem bürgerlichen Gedenken, das eigentlich auch kritisiert werden soll und steht auch dem Aufmarsch der Nazis nicht gerade konträr entgegen. Hier findet seitens eines linksradikalen Bündnisses eine derartige Umdeutung der Geschichte des Zweiten Weltkrieges statt, dass es einem um die linksradikale Szene Angst und Bange werden muss. Wenn selbst diese schon Dresden als einen Ort der Geschichte und nicht als einen Ort, an dem Geschichte gemacht wurde, begreift, mit wem oder gegen wen soll dann noch demonstriert werden?
Es steht völlig außer Frage, dass der größte Naziaufmarsch Europas endlich einmal verhindert gehört. Die Mobilisierung der bürgerlichen Antifaschist_innen wäre allerdings wohl auch mit einem weniger geschichtsumdeuterischen Bild und Motto möglich gewesen. Bleibt die Frage, ob bei einem Neudruck der Plakate nicht nur der deutliche Aufruf zur Blockade entfernt wird, sondern auch der mehr als fragwürdige Aufruf, Dresden und die Frauenkirche endlich als „den Ort der Geschichte“ zu akzeptieren.

no pasaran-Plakat